KONZERT: FIDDLER'S GREEN, REDWOOD - Aschaffenburg, Colos-Saal

BY Michael Berghammer




FIDDLER’S GREEN feiern ihr 35-jähriges Bestehen mit einem Acoustic Pub Crawl. Das haben sie bereits schon bei vorangegangenen runden Jahrestagen mit großem Erfolg getan. Es überrascht mich auch gerade selbst, dass ich es in 35 Jahren nicht geschafft habe, mir diese Fun-Kapelle anzuschauen, obwohl ich Irland als mein liebstes Reiseland auserkoren habe und mit der Musik dort, gerade in den Pubs, warm geworden bin. Ich besuchte schon das ein oder andere akustische Konzert im Colos-Saal, und meist war das eine recht gemütliche Veranstaltung mit Teilbestuhlung und Tischen. Als wir uns aber dem Kultclub an diesem frühen Samstagabend näherten, war klar, dass das heute nichts mit Herumsitzen wird, da sich bereits eine enorme Menschenschlange vor dem Eingang gebildet hatte. Der Laden war kurz gesagt restlos ausverkauft.


Zunächst feierte aber REDWOOD, die Vorband des Abends, ihr einjähriges Jubiläum, wie sie selbst stolz verkündeten. Die Truppe um den rothaarigen Wirbelwind „Jimmy“ (aka Jennifer Langjahr) macht vom Start weg richtig Dampf im Club. Die moderne Mischung aus Folk, Bluegrass und Country kommt erstaunlich gut an. Instrumentiert wird das Ganze mit Geige, Banjo, Bass, Gitarre und einem kleinen Schlagzeug, das der Gitarrist mit bedient. Es macht aber vor allem viel Spaß, mit welcher positiven Energie und Spielfreude das Quintett seine Songs vorträgt. Jimmy ist ständig am Lachen, Tanzen, Hopsen und nimmt das Publikum immer wieder mit. Der Saal ist sofort on fire und beim Paul Rice Cover „You Are My Sunshine“ wird sogar kräftig mitgesungen.


Nach ca. 40 Minuten ist dann erst mal Zeit zum Bier und Luft holen, währenddessen verwandelt sich die Bühne in ein Pub. Am Bühnenrand stehen vier Barhocker, ein Stehschlagzeug rechts und im hinteren Bereich befindet sich ein Tisch mit einem Guinnessglas.

Los ging’s dann mit „Ready for the Ball“, einem Song aus dem aktuellen Longplayer „The Green Machine“, dem augenblicklich der erste Klassiker „Matty Groves“ folgte. Das Publikum war von da an eigentlich nur noch am Feiern und Tanzen. Die Bewegungsfreiheit war natürlich aufgrund des Füllgrades der Lokation stark eingeschränkt, aber ein bisschen geht immer. Die Jungs auf der Bühne waren jedenfalls extrem gut drauf und das übertrug sich auch auf das Auditorium. Außer den üblichen Instrumenten, wie Contrabass, akustische Gitarre, Banjo, Akkordeon, Geige und Schlagzeug kamen, wie versprochen, verschiedene andere Dinge zum Einsatz, die man angeblich auf dem Speicher oder Keller gefunden hatte. So tauschte Stefan das Akkordeon ab und an mit der Bodhrán oder einem Waschbrett. Frank kam hinter seiner Stehtrommel hervor und machte mit Rainer (Bass) und Pat (Gitarre) eine Drumsession mit bunten Plastikröhrchen. Pat nutzte unter anderem zusätzlich eine Maultrommel und eine Kindertrompete aus Kunststoff. Sogar die Plastikbecher, in denen die Getränke ausgeschenkt wurden, kamen zum Einsatz. Es wurde damit geklappert, geschoben und geworfen. Als Frank dann auch noch die vorderen Zuschauerreihen mit Klobürsten taufte und im Anschluß mit den nassen Bürsten seine Drumkit bearbeitete, waren restlos alle aus dem Häuschen. Das Publikum wurde in diese Spielchen von Albi immer wieder mit einbezogen, sodass das eine recht interaktive Veranstaltung wurde, in der die Musik jedoch bei all dem Schabernack nicht zu kurz kam und die jeweiligen Aktionen sehr schön in die vielen traditionellen Songs eingebettet wurden.

Am Tisch im hinteren Bereich der Bühne nahmen übrigens während des Gigs immer wieder abwechselnd Gäste aus dem Publikum für ein Bierchen Platz. Diese wurden von einem Mann im schwarzen Anzug ausgewählt.

Nach knapp zwei Stunden Irish Party beendete die Spaßtruppe den Abend mit zwei Zugaben, die unter anderem mit „Irish Rover“ und „Galway Girl“ noch einmal das Letzte aus den Kehlen der Zuschauer holten.


Auch wenn ich etliche der „eigenen“ Songs nicht kannte, war ich vom ersten Mal hingerissen und freue mich darauf, Fiddler’s Green beim nächsten Mal mit Stromgitarren zu sehen.