KONZERT: The Big Goodbye - Kissin' Dynamite live in Neu-Ulm

Die Vorfreude auf dieses langerwartete Metal-Event war groß, als wir um 19.30 Uhr die Ratiopharm Arena betraten. Eigentlich sollte der Konzertabend laut Ankündigung um 20.00 Uhr beginnen, aber wir waren etwas baff, als wir feststellten, dass die Support-Band LEAGUE OF DISTORION sich gerade von der Bühne verabschiedete und wir ihren Auftritt komplett verpasst hatten. Schade.
Rund ein Jahr ist es her, dass diese Mini-Tour mit dem passenden Titel „THE BIG GOODBYE“ den Abgang von Frontmann HANNES BRAUN angekündigt wurde. Die Halle war nun mit 5.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauft und bemerkenswert war dabei die Altersstruktur im Publikum. Obwohl die Bandmitglieder selbst erst Mitte bis Ende 30 sind, lag der Altersdurchschnitt der Fans spürbar höher – was der Stimmung im Raum aber natürlich keinerlei Abbruch tat. Die Menge zeigte sich gewohnt textfest und feierfreudig.
Musikalisch und visuell zündeten KISSIN‘ DYNAMITE ab der ersten Minute ein gewaltiges Feuerwerk. Los ging’s mit „I’VE GOT THE FIRE“, bei dem gleich mal die ersten Feuersäulen auf der Bühne in die Luft schossen. Weiter ging’s mit „DNA“, von dem ich auf der Hinfahrt noch meinte: „Ich glaube nicht, dass sie das spielen.“ (Typisch.) In fast zwei Jahrzehnten Bandgeschichte haben sich einige Hits angesammelt, von denen die meisten auch gespielt wurden: Das schnelle „NOONE DIES A VIRGIN“, „ONLY THE DEAD“ und der Ohrwurm „GLORY DAYS“ (eigentlich nicht mein Style aber ich bekomme ihn einfach nicht aus den Gehörgängen) - es wurde geklotzt, nicht gekleckert. Eine riesige Leinwand sorgte für Abwechslung im Hintergrund und es waren viele Kameraleute unterwegs um die Band und das Publikum zu filmen. Ein bisschen schade fand ich, dass diese Arbeit nicht mehr genutzt wurde und auf der Screen mehr Visuals und auch die passenden Musikvideos gezeigt wurden (warum?), anstelle das Live-Geschehen größer und öfters zu übertragen. Die Ratiopharm Arena, die ja eigentlich eher zu den kleineren gehört, wirkte an diesem Abend trotzdem sehr groß und in den hinteren Reihen wären ein paar Nahaufnahmen toll gewesen. Wie gesagt, Technik und Manpower waren ja da. Ob JIM MÜLLER oder ANDE BRAUN die wahnsinnig schnellen Gitarren-Soli spielte, war mir dann aus dem hintersten Eck nicht immer ganz klar. Der Sound war auf jeden Fall fett und die Band einfach perfekt, natürlich auch dank Bassist STEFFEN HAILE und Drummer SEBASTIAN BERG.
Dass ANNA BRUNNER, die nicht nur die Partnerin von HANNES BRAUN ist, sondern auch auf dem neu erschienenen Album „KISSIN‘ DYNAMITE“ mitwirkt und Teil der Support-Band LEAGUE OF DISTORTION ist, einen Gast-Auftritt haben wird, war vorauszusehen. Sie sang nicht nur bei „ECSTASY“ mit, sondern auch bei der neu aufgelegten, tollen Lagerfeuer-Version von „LIE TO ME“, welche mit „HEART OF STONE“ deutlich die Geschwindigkeit aus dem Set nahmen. Kurz darauf kam ein weiterer Gast-Star auf die Bühne, und zwar RALF SCHEEPERS von PRIMAL FEAR, der sich die Vocals beim Klassiker „STEEL OF SWABIA“ mit Hannes teilte. Wen ich an diesem Abend vermisst habe, ist UDO DIRKSCHNEIDER, der auf der Platte Gast-Vocals beim Kracher „ADDICTED TO METAL“ hat. Lt. Internet-Recherche wurde der Song allerdings seit 2017 nicht mehr live gespielt. Sein Auftritt wäre noch das i-Tüpfelchen an diesem Abend gewesen. Genug Mitsing-Gelegenheiten boten sich dafür bei „RAISE YOUR GLASS“ und „YOU’RE NOT ALONE“, bevor die Band mit „NOT THE END OF THE ROAD” kurz von der Bühne trat.
Drei Zugaben gab es schließlich noch zu hören, dann wurde es nach ca. 2 Stunden 15 Minuten Ernst und Hannes mit dem etwas kitschigen „GOOD IN GOODBYE“ nun tatsächlich das erste Mal verabschiedet. Noch zwei weitere Abschieds-Konzerte stehen auf dem Plan (eins in Köln, eins in Hamburg), bevor der „Kapitän“ praktisch die Bühne verlässt und nur noch im Hintergrund die Strippen ziehen will. Bei vielen Bands hat ein Sänger-Wechsel in der Vergangenheit geklappt, oft hat es den kompletten Stil verändert, manchmal auch nicht unbedingt zum Guten. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wer da nun nachkommt und was weiter passiert.
Ich fand es auf jeden Fall beeindruckend, die fünf Schwaben in einer ausverkauften, großen Halle zu sehen - komplett mit Video-Leinwand, Pyro-Show und Steg, der in die Menge führte. Mein erstes KISSIN‘ DYNAMITE-Konzert war im Sommer 2010 in einer hell ausgeleuchteten Kneipe ohne Bühne, vor maximal 80 Leuten aus dem Ort. Toll, wie sie über die Jahre als Musiker und Gruppe immer besser und vor allem größer geworden, aber menschlich trotzdem nahbar und auf dem Boden geblieben sind. Ein schöner, in allen Belangen qualitativ hochwertiger Abend, bei dem für mich persönlich der Spaßfaktor den Abschiedsschmerz übertönt hat.




































